
7 Fragen an Susanne Lahme, Volleyball-Legende und seit 100 Tagen Sportdirektorin Volleyball, SC Potsdam
BVV:
Hallo, liebe Susanne! Zunächst erstmal herzlichen Glückwunsch zu Deiner neuen Aufgabe. Du bist seit Ende November 2025 Sportdirektorin Volleyball beim SC Potsdam und natürlich wünschen wir viel Erfolg bei all Deinen Vorhaben!
Susanne, Dein Name ist in der Volleyballwelt ein Begriff! Du gehörtest zu den 7 Legenden aus 7 Jahrzehnten, die der Deutsche Volleyball Verband zu seinem 70. Jubiläum der Öffentlichkeit als Teil der Erfolgsgeschichte des Verbandes präsentierte. Eine große Ehre! Du warst Volleyball-Nationalspielerin sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik. Du bist die einzige deutsche Sportlerin, die in beiden olympischen Disziplinen Volleyball und Beachvolleyball an den Olympischen Spielen teilgenommen hat. Du wurdest achtfache DDR- bzw. Deutsche Meisterin und neunfache Pokalsiegerin, hast 263 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft bestritten und warst Europameisterin 1987, zweifache Vizeeuropameisterin 1985 und 1989 und Dritte der EM 1991.

Hinzu kommen unzählige internationale Erfolge, zum Beispiel hast Du 1996 mit Latte Rugiada Matera aus der italienischen Liga die Champions League gewonnen, wurdest beste Blockspielerin der Saison in Brasilien sowie brasilianischer Meister und südamerikanischer Meister.
Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul wurdest Du mit der Nationalmannschaft Fünfter, 1996 in Atlanta wurde es Platz 8, 2000 in Sydney Platz 6. Außerdem steht ein fünfter Platz bei der Weltmeisterschaft 1994 in São Paulo zu Buche.

Dazu kam noch ab 2001 Deine Karriere im Beachvolleyball mit dem Höhepunkt der Teilnahme beim olympischen Turnier in Athen und einem neunten Platz dort. 2005 schafftest Du noch den deutschen Meistertitel.

Und das war jetzt nur ein kleiner beeindruckender Teil Deiner Erfolge. Zu einer solchen Karriere kann man nur staunend gratulieren.
Die Brandenburger Volleyballfamilie freut sich sehr über Dein jetziges Engagement und möchte eine ganze Menge zu Dir und Deinen persönlichen Zielen, Motivationen und konkreten Plänen wissen. Deshalb sind wir sehr dankbar, dass Du hier Rede und Antwort stehst.
BbVV Frage 1:
Was waren Deine ganz persönlichen Highlights in Deiner aktiven Laufbahn und was hast Du aus Deinem sportlichen Leben für Dich in die heutige Zeit als prägend und wertvoll mitgenommen?
Susanne Lahme:
Ein ganz persönliches Highlight war für mich ohne Frage, 4x die Olympischen Spiele erleben zu dürfen. Das ist etwas, wovon man als Kind träumt und wenn man dann tatsächlich Teil dieses größten sportlichen Moments ist, bleibt das für immer. Diese Atmosphäre, dieses Zusammenkommen der besten Athletinnen und Athleten der Welt, weltberühmte Sportlerpersönlichkeiten zu treffen, das prägt einen ein Leben lang.
Natürlich gehören auch die deutschen und internationalen Meistertitel zu den absoluten Höhepunkten meiner Karriere. Dafür arbeitet man jahrelang, investiert unglaublich viel Zeit, Energie und Leidenschaft. Wenn sich dieser Einsatz am Ende auszahlt, ist das ein unbeschreibliches Gefühl.
Mindestens genauso wichtig waren aber die Erfahrungen auf dem Weg dorthin: der Umgang mit Druck, mit Erwartungen, mit Niederlagen und Verletzungen. Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen, niemals nachzulassen und gleichzeitig den Wert von Teamgeist zu schätzen. Diese Erfahrungen tragen mich bis heute.
BbVV Frage 2:
Was ist Deine Motivation, als Sportdirektorin Volleyball in einer sehr turbulenten Zeit beim SC Potsdam tätig zu werden? Wie kam das Engagement zustande?
Susanne Lahme:
Meine Motivation ist ganz einfach: Ich liebe Volleyball und ich wollte nicht nur zuschauen, sondern in einer herausfordernden Situation Hilfe anbieten, Verantwortung übernehmen und etwas bewegen.
Meine jetzige Rolle beim SC Potsdam ist eher organisch entstanden. Mein Sohn spielt hier seit 3 Jahren Volleyball, dadurch war ich zunächst im Jugendbereich als Elternteil nah dran. Als es dann zu den bekannten Turbulenzen kam, konnte ich sehr gut nachvollziehen, was diese Situation für Spielerinnen und Trainer bedeutet, besonders so kurz vor Saisonbeginn. Das hat mich emotional sehr bewegt.
Aus diesem Grund kam es zum Kontakt mit dem Vorstand. Dort wurde schnell deutlich, dass meine sportliche Erfahrung und mein Blick von außen hilfreich sein könnten. Für mich war klar: Wenn ich es mache, dann mit voller Überzeugung und mit der neuen Rolle habe ich nun die Möglichkeit, nicht nur in irgendwelchen Gremien zu sitzen, sondern wirklich etwas zu bewegen.
BbVV Frage 3:
Wie schätzt Du die aktuelle Situation im Volleyball Leistungssport beim SC Potsdam ein? Wo steht der Volleyball bei dem größten und bisher erfolgreichsten Club des Landes Brandenburg heute?
Susanne Lahme:
Ich sehe den Volleyball-Leistungssport beim SC Potsdam sehr positiv, die sportliche Geschichte und die Strahlkraft sind nach wie vor da.
Gleichzeitig befinden wir uns in einer Phase des Umbruchs. Sportlich bedeutet das aktuell einen klaren Fokus auf die zweite Liga und die Zukunft. Organisatorisch geht es darum, Vertrauen, Verlässlichkeit und langfristige Planung wieder zurückzugewinnen.
Was Potsdam weiterhin auszeichnet, sind die starken Voraussetzungen: eine sehr gute Nachwuchsarbeit, engagierte und kompetente Trainerinnen und Trainer sowie die enge Anbindung an die Sportschule. Das sind alles Faktoren, die den Standort weiterhin sehr wertvoll für den deutschen Volleyball machen.
Unser Anspruch ist es, Schritt für Schritt eine nachhaltige, stabile und ambitionierte Leistungssportstruktur aufzubauen mit dem klaren Ziel, Potsdam langfristig wieder dort zu positionieren, wo der Verein sportlich hingehört.
BbVV Frage 4:
Welche Potentiale gibt es, wo liegen die größten Herausforderungen?
Susanne Lahme:
Die Potenziale sind klar die ideale Konzentration von Standort, Struktur und Talenten, die größten Herausforderungen liegen aktuell in der Stabilisierung. Wir müssen die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen sichern und ausbauen, den Übergang ohne das Profiteam zukunftsorientiert gestalten und den sportlichen Anspruch des Nachfolgeteams höherschrauben. Es geht also darum, Nachwuchs, Teams und Struktur so miteinander zu verzahnen, dass nachhaltiger Erfolg aus eigener Kraft möglich wird.
BbVV Frage 5:
Die Nachwuchsmannschaften des SC Potsdam erreichen regelmäßig Spitzenplätze bei Deutschen Meisterschaften. Warum reicht die große Talentdichte nicht aus, um in der Bundesliga erfolgreich zu sein?
Susanne Lahme:
Es stimmt, dass unsere Nachwuchsmannschaften regelmäßig Spitzenplätze bei Deutschen Meisterschaften erreichen. Das zeigt, dass wir über eine sehr gute Talentdichte und hervorragende Trainingsstrukturen verfügen. Dennoch reicht das allein nicht aus, um Leistungssport auf höchstem Niveau zu praktizieren. Es geht nur mit Erfahrung, sportlicher und mentaler Weiterentwicklung, Sponsoring und finanzieller Stabilität. Junge Spielerinnen müssen Schritt für Schritt herangeführt werden und an den Verein gebunden werden und sich mit dem Verein und seinem Umfeld auch identifizieren. Talente sind die Grundlage, aber um ganz oben mitzuspielen, braucht es ein komplettes Umfeld, das Spitzenleistung unterstützt.
BbVV Frage 6
Was sind die realistischen Ziele für den Volleyball Leistungssport in Potsdam in der mittelfristigen Perspektive?
Susanne Lahme:
Die realistischen Ziele für den Volleyball-Leistungssport in Potsdam liegen mittelfristig darin, wieder eine stabile und konkurrenzfähige Position anzustreben und gleichzeitig eine nachhaltige Nachwuchsförderung aufzubauen. Wir wollen dies erreichen, indem wir gezielt sichten, aufbauen und junge Spielerinnen behutsam an höhere Spielklassen heranführen.
BbVV Frage 7
Gibt es in absehbarer Zeit wieder Volleyball in der 1. Bundesliga Frauen in Potsdam?
Kurzfristig ist die Rückkehr in die 1. Bundesliga noch keine unmittelbare Realität.
Wir arbeiten aber daran, die organisatorischen und finanziellen Strukturen zu stabilisieren und ein professionelles organisatorisches Umfeld zu schaffen, in dem Leistung, Motivation und Teamgeist ein wichtiger Aspekt sind. Wenn wir mit einer intensiven Nachwuchssichtung und einem leistungsstarken Kader überzeugen und auch wieder stabiles Vertrauen schaffen für Partner aus dem wirtschaftlichen und politischen Umfeld sowie bei Anhängern, dann ist der nächste Schritt in Richtung 1. Bundesliga gemeinsam mit all den genannten Beteiligten und einer stabilen finanziellen Basis machbar. Dafür kämpfe ich gemeinsam mit meinem Team!
Und ein ganz wichtiger Faktor bleiben die Potsdamer und Brandenburger Anhänger, die uns in der Vergangenheit eine großartige Unterstützung waren. Wenn wir diese Unterstützung auch annähernd bewahren können bei unseren Spielen der 2. Bundesliga Nord, aber auch bei allen anderen Teams im Leistungskader, dann hilft es den Mädels enorm, sich weiter für den Spitzenvolleyball und für den Verein mit Hingabe zu engagieren. Natürlich ist 1. Bundesliga im wahrsten Sinne des Wortes eine andere Liga, aber sehenswerten Sport mit Herz gibt es auf jeden Fall auch in der 2. Bundesliga oder darunter. Wer also möchte, dass Potsdam irgendwann wieder erstklassig ist, kann dazu auch jetzt schon durch seine Unterstützung einen Beitrag leisten. Die Mädels sind es absolut wert!
BbVV:
Liebe Susanne, der Wunsch der Potsdamer und darüber hinaus der ganzen Brandenburger Volleyballfamlie ist groß, dass diese Ziele wieder erreicht werden. Viele Erwartungen und Hoffnungen sind mit Deinem Engagement verbunden. Wir haben verstanden, dass diese Ziele nicht nur durch ein einzelnes Engagement oder allein durch die Akteure im Verein erfüllt werden können, die alle ihr Bestes geben. Es braucht die Unterstützung aller Akteure.
Für unseren Brandenburgischen Volleyball Verband können wir das in vollem Umfang zusichern!
Wir wünschen Dir für alle Deine Vorhaben viel Erfolg und glauben an die Kraft, die in uns gemeinsam beim Volleyball verbindet und wir glauben auch fest daran, dass Du mit Deiner persönlichen Kompetenz die richtigen Impulse geben wirst! Viele herzlichen Dank für dieses Interview und auch jetzt schon mal für Deine großen Bemühungen um den Neuanfang!
Fotos: Susanne Lahme